Meinungsmontag von Dennis Ruhwedel

Bild: eFuels Alliance Home – eFuel Alliance (efuel-alliance.eu)

EFUELS ALS CHANCE

Wer an Verkehr und Emissionen denkt, denkt zunächst vermutlich an das Auto. Zurecht, denn schließlich ist der Straßenverkehr für einen Großteil der Emissionen des Verkehrssektors verantwortlich (Im Jahre 2016 gingen rund 72 Prozent der Emissionen im Verkehrssektor auf den Straßenverkehr zurück). Um diese Emissionen zu senken ist vor allem das E-Auto der wohl am weitesten verbreitetste Ansatz und in der Elektrifizierung des Individual-Verkehres liegen viele Chancen trotz einiger Nachteile. Allerdings soll es heute gar nicht um den Straßenverkehr, sondern primär um die Schiff- und Luftfahrt gehen. Im Jahre 2016 waren beide zusammen immerhin für rund 27 Prozent der Emissionen des Verkehrssektors verantwortlich. Während die Elektrifizierung von Autos immerhin ein Ansatz für einen emissionsärmeren Verkehr ist, sieht es bei Flugzeugen und Schiffen deutlich schwieriger aus, denn technisch ist die Elektrifizierung von Flugzeugen und großen Schiffen, aufgrund der nicht ausreichenden Energiedichte von großen Batterien nicht wirklich möglich und gerade in Anbetracht des voranschreitenden Klimawandels ist es absolut absurd Schweröl und Kerosin aus natürlichen Vorkommen auch in Zukunft weiter als Energielieferant zu nutzen.

Einer der Lösungsansätze für dieses Problem ist Power to X. Dabei wird Strom zu einem anderen Stoff z.b. Kohlenwasserstoffverbindungen wie Kerosin, Methan oder Benzin umgewandelt. Obwohl bei der Verbrennung dieser Stoffe CO₂ frei, ist dieser Prozess nachhaltig, da für die Synthese dieser Verbindungen CO₂ aus der Luft entnommen wird und durch zahlreiche chemische Prozesse als Kohlenstoff die Grundlage dieser Kohlenwasserstoffverbindungen bildet. Dabei ist anzumerken, dass dieser Prozess natürlich erst dann sinnvoll ist, wenn die Energie, welche für die Syntheseprozesse benötigt wird, aus grünen und nachhaltigen Energiequellen wie Wind, Solar oder Wasserkraft stammt. Gerade auf europäischer Ebene birgt Power to x großes Potenzial, so könnte in riesigen spanischen Solarparks oder in großen Windparks an europäischen Küstenregionen der überschüssige Strom für die industrielle Synthese von solchen Kohlenwasserstoffverbindungen genutzt werden. Obwohl es mittlerweile eine europäische Wasserstoffstrategie gibt, braucht Europa eine Strategie für Wasserstoff basierte Folgeprodukte wie eFuels. In Deutschland gibt es im Rahmen des staatlich geförderten Kopernikus Projektes aktive Forschung für die effizientere industrielle Produktion von eFuels, eine europäische Kompetenzbündelung in einem EU initiierten Forschungsprojekt, als Teil einer gemeinsamen EU-Strategie für eFuels und ähnlichen Ansätzen, wäre mehr als sinnvoll. Ganz prinzipiell muss die EU bei elementaren Themen wie der Energie und Kraftstoffversorgung enger zusammenarbeiten, denn die Zukunft Europas liegt in Kooperation und gemeinsamen Handeln und Vorgehen. Wenn wir eFuels voranbringen wollen, dann brauchen wir nicht nur eine Kompetenzbündelung und europäische Kooperation, sondern vor allem auch mehr Technologieoffenheit und die nötigen rechtlich regulatorisch bürokratischen Grundlagen, welche E-Fuels eine echte Chance in einem freien Wettbewerb mit anderen Technologien verschafft. Auch diese Grundlagen sollten Teil einer gesamten europäischen Vorgehensweise sein und wer weiß, vielleicht steckt in eFuels ja nicht nur Potenzial für Luft- und Schiffsfahrt, sondern auch für den Straßenverkehr, deswegen ist eine unvoreingenommene Politik der Technologieoffenheit und Diversität der Lösungsansätze notwendig.

 

Meinungsmontage müssen nicht zwingend der Verbandsmeinung widerspiegeln.