Meinungsmontag von Carlos Buschmann

Seit etwa 1920 nutzen die deutschen Haushalte den elektrischen Strom im großen Stile. Über das letzte Jahrhundert wurde dieser immer wichtiger und ist nun aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Von Licht und Kühlschrank, über Computer und Mobilität, bis hin zum Handy, der treue tägliche Wegbegleiter – es gibt kaum eine Situation, in der wir ohne elektrischen Strom auskommen.

Doch während unsere Endgeräte immer moderner wurden und auch werden, bleiben die Energiequellen eher eine Konstante. Wieso sollten wir uns auch auf neue ungewisse Pfade wagen, wenn aktuell eigentlich jeder Strom zur Verfügung hat? Funktioniert doch alles. Diese Ansicht sollte möglichst schnell schwinden, sobald man merkt, dass die deutschen Strompreise rund 2,7-mal teurer sind als der internationale Durchschnitt. Stand 2021 ist in keinem Land der Erde der Energiepreis höher.

Kernursache dieser Problematik ist der deutsche Sonderweg – wir sind das einzige Industrieland, welches zum einen komplett aus den fossilen Brennstoffen aussteigen will und zum anderen auch auf die Kernspaltung verzichten möchte. Dieser Alleingang gilt an anderer Stelle nochmal genauer zu hinterfragen.

Um dies zu ermöglichen, wurde allerdings in der Vergangenheit nichts getan. Wir können uns aktuell überhaupt nicht leisten auf all das zu verzichten, wenn wir uns auch nur ansatzweise für unsere Wirtschaft interessieren. Denn klar ist, dass Energie beziehungsweise elektrischer Strom eine der wichtigsten Ressourcen des 21. Jahrhunderts ist.

Inwiefern wir hinterherhinken in Sachen Energiegewinnung wird klar, wenn man sich die aktuellen Technologien anschaut, aus welchen der eingespeiste Strom entstammt. Ein knappes Drittel der elektrischen Energie kommt aus Kohlekraftwerken – diese gibt es bereits seit 1882. Ebenso wurde das erste Gaskraftwerk in diesem Jahr in Betrieb genommen. Wasserkraftwerke zur Stromgewinnung, welche mit unter 5 % an unserem Energiehaushalt beteiligt sind, gibt es schon seit 1880. Windkraft mit den ersten Versuchen seit 1891, Kernkraft seit 1951. Eine der modernsten Techniken zur Stromgewinnung ist wohl die Photovoltaiktechnologie. Seit 1958 wurde diese zunächst dafür eingesetzt, Satelliten mit Energie zu versorgen. Die genannten Energieträger machten 2021 rund 95 % des eingespeisten Stroms aus.

Es fällt auf, dass unsere Energiequellen bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Sicherlich ist dies Problem für uns, wir investieren doch bestimmt genügend in die Erforschung von neuen Verfahren der Stromgewinnung. Schaut man in die Berichte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, wird schnell klar, dass das Budget der Förderung dieses wichtigen Bereichs der Forschung recht mau ausfällt. Klar klingen 1,2 Milliarden Euro recht viel für den einzelnen Bürger, doch wirkt dies verschwindet gering verglichen mit dem 100-Milliarden-Zuschuss für die Bundeswehr.

Dieses Thema ist nicht nur für sinkende Strompreise und die damit verbundene steigende Attraktivität für Technologieunternehmen so wichtig, auch in Sachen Klimaschutz ist dieses Thema so wichtig. Die meisten CO₂-Emissionen kommen durch den Bedarf an Energie zustande. Sei es durch Mobilität oder in der Industrie.

Es kann meiner Meinung nach einfach nicht wahr sein, dass wir uns aktuell freuen, wenn man durch Kernfusion nur etwa 30 % Energieverlust macht. Genau dies wird in den Medien als „Durchbruch“ bezeichnet. Darüber hinaus ist es ein Unding, dass wir im Jahre 2022 immer noch über keinen vernünftigen Weg verfügen, Energie effektiv zu speichern. Und das, obwohl wir durch die extremen Schwankungen der Erneuerbaren so sehr auf diese Speicher angewiesen sind.

Ich appelliere an die neue Bundesregierung und bitte diese um eine deutliche Erhöhung das Forschungsbudget. Auch unterstütze ich das Vorhaben der Regierung private Investments in diesem Sektor deutlich zu vereinfachen und zu fördern – so kann man die Forschenden nicht nur unterstützen, man kann auch von den vielversprechenden Perspektiven profitieren.

 

Meinungsmontage müssen nicht der Verbandsmeinung widerspiegeln.

 

Carlos Buschmann

Beisitzer für Mitgliederservice

Schüler

Aufgaben
- Bearbeitung Mitgliederanliegen
- Öffentlichkeitsarbeit
- Verwaltung E-Mails von
Jahrgang
2003
Und sonst so?
Trinkt nur Wasser.
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