Classix: Liberallala – Olaf Dudek (2009)

Der Trend ist eindeutig, die Wahlbeteiligung geht zurück. Natürlich kommt als erstes das bekannte Totschlagargument: „Wer nicht wählt, darf auch nicht meckern!“ und dann, meistens von Parteien, die sich mehr Stimmen erhofft hatten, nicht der Ruf, sondern der Schrei nach Wahlpflicht. Dabei sollten wir Deutschen es doch besser wissen, was freie Wahlen bedeuten, nach 12 Jahren Diktatur im Reich und 40 Jahren Einheitswahlliste in einem Teil Deutschlands. Der Wähler weiß es auch. Aber die Wähler haben
sich verändert. Angefangen mit den 68igern, ganz langsam ist man das geworden was der Staat wollte, nämlich ein mündiger Bürger. Und die klassischen Schichten, in die man noch vor Jahren hineingeboren wurde, tja, die gibt es heute auch nicht mehr. Weder die Arbeiterklasse, noch der bürgerliche Mittelstand oder die konservative Oberschicht existieren noch in der Form wie vor 30 oder 40 Jahren. Die Klientel bricht schlicht weg und ist aufgeklärter. Man will eigentlich eine ehrliche Politik, keine Wahlversprechen mit einer Halbwertzeit bis zum Wahltag. Denn da ist Zahltag, dass weiß der Wähler, egal was versprochen wird in
den austauschbaren Wahlprogrammen der Parteien. Man will Personen, denn man die Führung zutraut wählen und nicht ein belangloses Parteiprogramm. Man will eine Politik die kompromissfähig ist und sich nicht im kleingeistigen Lagergeplänkel gegenseitig blockiert. Parteien die in der Lage sind auch über Ideologien und Parteigrenzen hinweg eine sachliche
Entscheidung zu treffen und die den politischen Gegner respektieren, wie es sich in einer Demokratie gehört. Stattdessen wird immer kräftig der Splitter im Auge des politischen Gegners gesucht, den Balken im eigenen Auge übersieht man allzu gerne. Das Volk wartet auf Reformen und nicht auf Kosmetik, die als Reformen verkauft werden. Den Frust und die Gleichgültigkeit der Wähler gegenüber Politik und Politikern zu ignorieren und weiter machen wie bisher löst das Problem nicht. Ein Umdenken in der Politik ist die allererste Voraussetzung für steigende Wahlbeteiligung, nämlich den Souverän, das Volk ernst nehmen,
nicht nur zu Wahlkampfzeiten, auch der Mann auf der Straße hat Sorgen und er bekommt keine Steuermilliarden für seine Fehler, er bekommt Besuch vom Gerichtsvollzieher